70. Jahrestages der Cap Arcona-Katastrophe

Veröffentlicht am 11.05.2015 in Rechtsextremismus
Dr. Tordis Batscheider

Dr. Tordis Batscheider

Bürgermeisterin der Stadt Neustadt in Holstein

Grußwort anlässlich des 70. Jahrestages der Cap Arcona-Katastrophe in der Neustädter Bucht

Am 3. Mai 2015

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Damen und Herren,

seit 1948 erinnern wir hier am Cap Arcona-Ehrenfriedhof immer am 3. Mai an eines der grauenvollsten Ereignisse des zweiten Weltkrieges: die Bombardierung der KZ-Häftlingsschiffe Cap Arcona und Thielbek.

Ganz besonders begrüßen möchte ich heute die Überlebenden der Schiffskatastrophe sowie alle weiteren ehemaligen Häftlinge des KZ Neuengamme aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Polen, den Niederlanden und Slowenien, die hierher gekommen sind, um mit uns zusammen der Opfer zu gedenken. Ich bin sicher, es war für Sie nicht leicht, den langen Weg auf sich zu nehmen und die für Sie sehr bedrückenden Orte noch einmal aufzusuchen. Vielen Dank dafür, dass Sie sich dieser schmerzhaften Erinnerung stellen, Ihre Erinnerung ist eine ewige Mahnung für uns alle!

Durch die Bombardierung der Häftlingsschiffe am 3. Mai 1945 sind an dieser Stelle rund 6.600 Menschen ermordet worden. Sie verbrannten, sie ertranken oder sie wurden, nachdem sie den rettenden Strand erreicht hatten, von Angehörigen der Waffen-SS und der Kriegsmarine und wohl auch des Volkssturms erschossen.

Auch wenn es britische Kampfpiloten waren, die die Bomben auf die Cap Arcona und die Thielbek abgeworfen haben, so muss doch ganz klar gesagt werden: Die Schuld am Tod dieser 6.600 Menschen tragen einzig und allein die Nationalsozialisten.

Denn es waren die Nazis, die mit grauenhafter Perfektion die Massenvernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen betrieben haben.

Es waren die Nazis, die erst Europa und dann der ganzen Welt den Krieg erklärt haben.

Und es waren die Nazis, die diesen verbrecherischen Krieg bis zum Schluss mit erbittertem Hass und zügelloser Gewalt geführt haben.

Wir heutigen Deutschen müssen damit leben, dass kein anderes Volk Europas seinen Nachbarn jemals so viel Unrecht und entsetzliches Leid gebracht hat wie das unsere.

Und wir Neustädter müssen damit leben, dass ein besonders tragisches Kapitel dieses Krieges sich in unserer Stadt ereignet hat. Die Cap Arcona-Katastrophe ist vor 70 Jahren furchtbarer Teil der Geschichte dieser Stadt geworden.

Mit dieser Geschichte zu leben bedeutet für uns heute: auch wenn wir keine unmittelbare Schuld auf uns geladen haben wie die Generation unserer Väter und Großväter, so tragen wir auch als Nachgeborene doch Verantwortung dafür, dass sich solches Unrecht niemals wiederholt.

Der Blick auf die Nachkriegsgeschichte Neustadts zeigt, dass deren Bürgerinnen und Bürger in den vergangenen Jahrzehnten ihre Verantwortung für die Gräueltaten während des Nationalsozialismus angenommen haben. Sie haben sie angenommen, indem sie einen engagierten Beitrag zu einem friedlichen Zusammenwachsen Europas geleistet haben. Bereits wenige Jahre nach Kriegsende, als die Wunden des Krieges längst noch nicht verheilt waren, wurden Menschen aus aller Herren Länder nach Neustadt eingeladen, um gemeinsam zu singen, zu tanzen und zu feiern. Die daraus entstandenen Verbindungen in alle Regionen Europas haben sehr viel dazu beigetragen, dass Neustadt zu einer weltoffenen und toleranten Stadt geworden ist, die Fremde wie Freunde empfängt und in der Rassismus, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit keine Chance haben. Die über 60jährige Erfolgsgeschichte des europäischen Folklore Festivals zeigt, dass die Neustädter Bürgerinnen und Bürger den aufrichtigen Wunsch nach Verständigung bis heute leben. Er ist Teil der neueren, besseren Identität unserer Stadt geworden.

Dass Europa nach dem Krieg demokratisch und weitgehend friedlich geworden ist, daran haben wir hier in Neustadt also auch einen kleinen Anteil. Neustadt ist heute Europastadt und mit dem Titel „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet worden. Darauf sind wir stolz – gerade angesichts des Unrechts, das unsere Väter und Großväter begangen haben.

Wir, die Nachkriegsgenerationen, wollen auch in Zukunft für ein friedliches Zusammenleben der Völker, für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenrechte eintreten, weil wir eine besondere historische Verantwortung tragen. Wir und auch die folgenden Generationen haben die moralische Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass sich so etwas wie der Nationalsozialismus und die Cap Arcona-Katastrophe niemals wiederholen.

Das sind wir Ihnen, den Überlebenden, das sind wir allen Opfern, derer wir hier gedenken, schuldig!

 

Unsere ZIELE

Wir Sozialdemokraten haben nicht sofort auf alles die richtige Antwort. Aber wir laden alle ein, mit uns über richtige Antworten zu diskutieren und diese dann gemeinsam umzusetzen.

Demokratische Willensbildung, die möglichst viele einbezieht, hat ihre Wurzeln vor Ort.

Wir wollen die Türen der SPD weit öffnen: für neue Ideen, für neues Engagement, für neue Mitglieder.

Visualisierung: ELBBERG Stadtplanung/TGP/TMH

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